Die Machbarkeit von Agrar-Photovoltaik wird demonstriert

Bürgerwerkstatt

Im Rahmen des Forschungsprojekts finden zwei Bürgerwerkstätten statt, eine vor und eine nach dem Bau der Anlage: Diese Bürgerwerkstätten dienen der Erfassung des Stimmungsbilds der lokalen Bevölkerung. Durch die zeitliche Perspektive sollen Veränderungen in Meinungen der Bevölkerung und in den Argumenten durch das Erfahren der Technologie am Beispiel der Pilotanlage erfasst und analysiert werden.

Hieraus können wertvolle Schlüsse gezogen werden, um die Einbettung der Agrar-PV-Systemtechnologie in die Gesellschaft durch entsprechende Anpassungen zu erleichtern. Auch das kreative Potenzial der Menschen soll zur Entwicklung einer im Einklang mit den von der Gesellschaft geäußerten Wünschen stehenden Technologie genutzt werden.

Die Bürgerwerkstätten sind dabei als ein interaktives Format zur Einbindung von Bürgern, zum Meinungsaustausch der Bürger/innen untereinander und ein Ort des Dialoges auf Augenhöhe durch Teilen von Informationen und Werten zu verstehen. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Bürgerwerkstatt NICHT Teil des offiziellen Genehmigungsverfahrens der Pilotanlage am Heggelbach Hof oder der Öffentlichkeitsarbeit des Projektes ist. Zu diesem Zweck fand eine Informationsveranstaltung auf Einladung des Bürgermeisters in der Gemeinde Herdwangen-Schönach statt, bei der die Bürger/innen über das geplante Projekt und den Ablauf des Baugenehmigungsverfahrens für die Pilotanlage informiert wurden.

Im Anschluss an die Bürgerwerkstätten wird ein Technologieentwickler- und Stakeholder-Workshop stattfinden. Hierzu werden Bürgervertreter/innen die in den Werkstätten vorgeschlagenen Lösungen und Ideen mit Technologieentwicklern und Stakeholdern diskutieren und die Technikentwickler müssen diese auf ihre technische Machbarkeit überprüfen und die Agrar-PV-Technologie gegebenenfalls entsprechend weiterentwickeln. Anschließend werden diese Ergebnisse in das Innovationskonzept einfließen.

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Erste Bürgerwerkstatt in Herdwangen-Schönach (2015)

Die erste Bürgerwerkstatt zur Agrar-PV-Technologie fand am 28. Oktober 2015 in der Gemeinde Herdwangen-Schönach am Bodensee statt. Hierbei haben 25 Bürgerinnen und Bürger über Chancen und Risiken von Agrar-PV diskutiert.

In einer Fokusgruppen-Runde wurden zuerst für die Bürgerinnen und Bürger relevante Fragestellungen und Themen gesammelt, die von den Teilnehmenden für die anschließenden World-Café-Runden gewichtet wurden. Die Top Vier der Themen wurden dann in wechselnder Zusammensetzung in Kleingruppen diskutiert. Die Themenblöcke waren Agrar-PV und die Energiewende (Vor- und Nachteile gegenüber anderen Erneuerbaren Energien, Fragen und Bedenken), Agrar-PV und die Einbettung in die Landschaft (Sichtbarkeit, Begehbarkeit etc.), Agrar-PV und die Profiteure (Bürgerbeteiligung, Beschäftigungseffekte, Kosten-Nutzen-Verhältnis) sowie Agrar-PV und die Politik (Informationspolitik, Förderpolitik (EEG) und rechtliche Regelungen).

Die Diskussionen waren sehr lebhaft, gespickt mit guten Ideen, kritischen Stimmen und Erwartungen für eine nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum. Das Informationsbedürfnis der Bürger war enorm, was die große Bedeutung von Partizipation im ländlichen Raum, aber auch bei der (Weiter-)Entwicklung von Technologien zeigt. Ein Hauptaugenmerk galt der Governance und den Rahmenbedingungen. Hier müsse versucht werden, Fehlentwicklungen und „Wildwuchs“ frühzeitig zu verhindern.

Zweite Bürgerwerkstatt in Billafingen (2017)

Die zweite Agrar-PV-Bürgerwerkstatt wurde am 28. November 2017 in Billafingen (Gemeinde Owingen) durchgeführt. Wie in der Konzeption vorgesehen (siehe Grafik oben) fand diese nach der Inbetriebnahme der Agrar-PV-Pilotanlage am Heggelbachhof im September 2016 und nach der ersten Ernte in 2017 statt. Eingeladen waren ausschließlich diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die auch an der ersten Bürgerwerkstatt im Oktober 2015 vor dem Bau der Pilotanlage teilgenommen haben (Ziel des
Workshop war ein Abgleich der Einstellungen zu Agrar-PV nachdem die Bürgerinnen und Bürger ausreichend Gelegenheit hatten, die Technologie über die Jahreszeiten hinweg zu betrachten).
In einer ersten Plenumsrunde stellten die 17 Teilnehmer in einem Eingangsstatement ihre persönlichen Eindrücke der Agrar-PV-Anlage dar. Sie erläuterten, ob und inwiefern sich ihre Einschätzung durch das Erleben der Anlage verändert hat. Anschließend wurden in Kleingruppen-Diskussionen Faktoren erarbeitet, die für die Planung von Agrar-PV-Anlagen eine sorgfältige Standortwahl sicherstellen sollen. In einem abschließenden Planspiel wurden dann fiktive Standorte in der Region identifiziert, um die Anwendung der Faktoren und Charakteristika der Region in der Diskussion zusammenzubringen. In der Präsentation der Faktoren und fiktiven Standorte zeigte sich, dass die Teilnehmer Konsens-orientiert gearbeitet haben und auf Anhieb mehrere geeignete Standorte identifizieren konnten.

Zentrale Themen in der Diskussion waren die Integration der Agrar-PV-Anlage in das Landschaftsbild und die Zusammenführung von Stromproduktion und –verbrauch. Des Weiteren wurde eine lokale Stromproduktion und –nutzung als wichtig erachtet, weshalb auch – analog zur ersten Bürgerwerkstatt – ein Betrieb der Agrar-PV-Anlage durch den Landwirt oder eine Genossenschaft favorisiert wurde. Hierfür wurden klare Regeln gefordert, die Photovoltaik im Allgemeinen und insbesondere auch Agrar-PV fördern, aber Anlagen-Wildwuchs verhindern sollen.

Gemäß dem Motto „Forschen für die Nachhaltigkeit und nachhaltig Forschen“ möchten wir das Konzept des „Responsible Research and Innovation“ kurz RRI in unsere Forschungs- und Innovationsprozesse einbinden. Wir möchten damit gewährleisten, dass sich unsere Ziele und Ergebnisse an aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnissen orientieren. Einen wichtigen Beitrag hierzu liefern die beiden Bürgerwerkstätten, bei denen Vertretern der Gesellschaft die Möglichkeit zur Beteiligung gegeben wird, sowie die hohe Transdisziplinarität des Vorhabens durch die Einbeziehung außerwissenschaftlicher Akteure. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen aus dem Projekt LENA-Leitfaden für Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungseinrichtungen (link) soll unser Forschungsprojekt im Sinne der ganzheitlichen Nachhaltigkeit (sozial - ökologisch – ökonomisch) durchgeführt werden.

www.lena-projekt.de