Was sind die Herausforderungen unserer Zeit?

Gesellschaftlicher Konflikt

Der Ausbau der dezentralen erneuerbaren Energieversorgung führt zu Veränderungen der Flächennutzung im ländlichen Raum. Bioenergiepflanzen wie Mais und Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen verstärkten den Flächenbedarf und treten in Konkurrenz zur regionalen Erzeugung von Nahrungsmitteln. Die mit der Ernährung verbundene Wertschöpfung bildet jedoch die wirtschaftliche Grundlage für einen Teil der im ländlichen Raum lebenden Bevölkerung. Wenn diese Perspektive der landwirtschaftlichen Flächennutzung für nachfolgende Generationen nicht attraktiv bleibt, besteht die Gefahr des weiter voranschreitenden Strukturwandels in der Landwirtschaft. Dieser kann negative Folgen für den Erhalt traditioneller Kulturlandschaften und die Bereitstellung regionaler Lebensmittel haben.

Weiterhin ist in den letzten Jahrzehnten in großen Teilen des ländlichen Raums ein als „Landflucht“ bezeichnetes Phänomen zu beobachten. Vornehmlich junge, gut ausgebildete Menschen ziehen in die Städte und Ballungszentren, da sie vor Ort keine beruflichen Entwicklungschancen sehen und die Arbeitslosigkeit hoch ist. Damit nehmen die Bevölkerungszahlen in ländlichen Gegenden ab und die Altersstruktur entwickelt sich nachteilig. In Folge dessen verstärken sich die Effekte des demographischen Wandels, die Infrastruktur verschlechtert sich und auch die Verdienstmöglichkeiten werden weniger.

Perspektiven für die Landwirtschaft

In der letzten Dekade ist der ländliche Raum zunehmend zum Produktionsort von erneuerbaren Energien (EE) mit dezentralen Produktionseinheiten (z.B. Windräder, Solar- und Biogasanlagen) geworden. Die verschiedenen Anforderungen an den ländlichen Raum sowie einige politische Ziele sind nicht leicht miteinander zu vereinbaren: Die EE-Produktionseinheiten nehmen zusätzliche Fläche in Anspruch, was dem Wunsch nach möglichst vielen unberührten Lebensräumen oft entgegenläuft. Durch die Umwidmung von landwirtschaftlicher Fläche in Industrieflächen verringert sich die Produktionsbasis für die Landwirtschaft und damit auch die Möglichkeit zur Selbstversorgung einer Region mit Lebensmitteln, während die regionale Eigenversorgung mit Energie gesteigert wird. Diese Entwicklung wird noch durch Konflikte verschärft, die sich auftun, wenn ländliche Nutzungstraditionen und in Folge dessen Landschaftsbilder verändert werden.

Generell ergeben sich für die Landwirtschaft unterschiedliche Möglichkeiten: Durch Aufgabe von Betrieben können andere Betriebe landwirtschaftliche Flächen kaufen und durch größere Produktionsflächen Skaleneffekte nutzen und damit ihre Produktivität steigern. Allerdings setzt dies voraus, dass ausreichend Kapital zur Ausdehnung der Betriebsfläche und für den Einsatz moderner Bewirtschaftungstechnik (e.g. Precision Farming) zur Verfügung steht. Investitionen in EE im Rahmen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) haben für viele Landwirte neue Wirtschaftszweige eröffnet. Ebenso hat sich durch die Einspeisevergütung ein zweites Standbein ergeben, das durch die Förderung gute Gewinne sicherte. Der Tourismus bietet in vielen ländlichen Regionen ebenfalls Chancen für Landwirte, genau wie eine Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Produkten in Genossenschaften oder Hofläden.

Der sogenannte „Präzisionsackerbau“ berücksichtigt die Unterschiede des Bodens hinsichtlich Ertragsfähigkeit oder Nährstoffgehalt innerhalb eines Feldes. Bereits während der Bearbeitung des Bodens werden diese Daten erfasst und mithilfe spezieller Programme ausgewertet, um die folgende Bewirtschaftung zu optimieren. Dadurch kann beispielsweise der Düngemitteleinsatz reduziert werden. Weil beim Precision Farming große Datenmengen anfallen und ausgewertet werden müssen, wird es als Computer-Aided Farming (CAF) bezeichnet.

Zielkonflikte

Gesellschaftliche Interessenskonflikte entstehen im ländlichen Raum zwischen Bewohnern, welche die Landschaft in ihrem ursprünglichen Zustand bewahren möchten, und Landwirten, die darauf angewiesen sind, ihre Betriebsfläche zu vergrößern und die Bewirtschaftung zu intensivieren, um ökonomisch wirtschaften zu können. Daneben gibt es eine zweite Konfliktlinie zwischen der ökonomisch orientierten Flächennutzung für die Erzeugung von Lebensmitteln und Energie sowie den gesellschaftlichen Zielen des Klima- und Umweltschutzes sowie des Erhalts der Biodiversität durch eine nachhaltige Landnutzung. Diese Ziele sind in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung festgeschrieben und manifestieren sich u.a. in der „guten fachlichen Praxis“. Diese Ziele lassen sich jedoch nicht monetär vergüten: Bisher ließen sich höhere Verbraucherpreise zur Deckung der Mehrkosten zum Erreichen dieser Ziele nicht durchsetzen.