Was sind die Herausforderungen unserer Zeit?

Energieversorgung

Der beschlossene Ausstieg aus der Atomkraft rückt immer näher. Obwohl es in anderen Ländern Bestrebungen gibt, neue Kernkraftwerke zu bauen (aktuell ist beispielsweise der umstrittene Reaktor Hinkley Point C in Großbritannien in Planung), steht die deutsche Strategie nicht zur Diskussion. Atomkraft ist auch kein Klimaretter, wie das Ökoinstitut schlüssig aufzeigt und damit dezidierte Befürworter entkräftet. Volkswirtschaftlich betrachtet führen Atomkraftwerke zu Mehrkosten, die auf die Bevölkerung verteilt werden, während die Gewinne privatisiert werden. Ein für die Gesamtheit kostenoptimales Energiesystem kann daher nicht mit Atomkraft realisiert werden.

Streitpunkt Kernenergie - Eine neue Debatte über alte Probleme
Öko-Insitut e.V. (2011)
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100% Erneuerbare Energien

Auch die anderen fossilen Energieträger, die wir nutzen, sind begrenzt und ihre Nutzung trägt zum Klimawandel bei. Der Umstieg auf regenerative Energien ist erklärtes Ziel der deutschen Bundesregierung und seit der Entscheidung der globalen Politikelite in Paris im Dezember 2016, die Klimaerwärmung auf deutlich unter 2° C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu beschränken, auch Ziel der Weltgemeinschaft.

Kritiker führen häufig an, der Verzicht auf die Nutzung fossiler Energieträger wäre aus technischen Gesichtspunkten nicht möglich. Diese These konnte allerdings das Forschungsprojekt Kombikraftwerk 2 kürzlich widerlegen: Die Forscher demonstrierten, dass alle notwendigen Technologien, Steuerungs- und Regelungssoftware für einen erfolgreichen Umstieg auf ein sicheres Energiesystem mit 100% erneuerbaren Energien verfügbar sind (vgl. Forschungsprojekt Kombikraftwerk 2 unter Federführung des Fraunhofer IWES).  

93
%

der Deutschen halten Energiewende für "wichtig bis sehr wichtig". Dabei liegen ihnen besonders die Zukunftsfähigkeit der Energieversorgung und der Klimaschutz am herzen.

Quelle: AEE

Auch gesellschaftlich ist der Umbau unseres Energiesystems gewollt. In Umfragen werden regelmäßig beinahe einstimmige Ergebnisse erzielt: 93% der Deutschen fanden zuletzt im Dezember 2015 die Energiewende wichtig bis sehr wichtig. Kritisch wird es allerdings zunehmend häufig, wenn es um Projekte vor der eigenen Haustüre geht. Konkrete Infrastrukturprojekte erfahren oftmals großen Widerstand. Woran dies liegt und wodurch die Akzeptanz der Energiewende auf regionaler Ebene erhöht werden kann erforscht seit 2013 das Forschungsprojekt KomMA-P - Akzeptanz der Energiewende unter Federführung des Fraunhofer ISE (www.energiewende-akzeptanz.de). 

Ziel der Transformation unseres Energiesystems ist – neben der Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs und der negativen Konsequenzen des Klimawandels – eine kostengünstige, sichere Energieversorgung gewährleisten zu können. Dass eine Energieversorgung mit regenerativen Energien sowohl eine sichere Versorgung  gewährleisten kann, als auch mittel- bis langfristig volkswirtschaftlich betrachtet sehr viel günstiger ist als ein fossilbasiertes System, konnte in diversen Studien ermittelt werden (vgl. FVEE Energiekonzept 2050).

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Transformationspfade der Energiewende

Wie die Transformation unseres Energiesystems allerdings genau aussehen soll, dafür gibt es aktuell noch keine festgelegte Roadmap. Es gibt verschiedene Transformationspfade, die sich hinsichtlich der Anteile der verschiedenen Erzeugungstechnologien (v.a. Windkraft und Photovoltaik betreffend), hinsichtlich der Standortwahl der dezentralen Erzeuger, des notwendigen Netzausbaus, aber auch hinsichtlich der Zielvorgaben und letztlich auch der gesellschaftlichen Gesamtkosten unterscheiden. Einige Beispiele für Transformationsszenarien:

Allen bisherigen Transformationsszenarien gemein ist die techno-ökonomische Optimierung. Berücksichtigt wird in diesen Szenarien also einzig ein Interesse: Die auf den ersten Blick entstehenden Gesamtkosten. Dass es in der Gesellschaft allerdings noch diverse weitere wichtige Kriterien, wie beispielsweise den schonenden Umgang mit Flächen, dem Landschaftsbild, dem Erhalt von Erholungsraum gibt, wird vernachlässigt. Dies führt allerdings immer häufiger dazu, dass vom vorgesehenen kostengünstigsten Pfad auf Grund von gesellschaftlichem Widerstand abgewichen werden muss und letztlich die Kosten durch Zeitverzögerung, Moderations- und Schlichtungsverfahren usw. höher ausfallen. Eine Berücksichtigung des Faktors gesellschaftliche Akzeptanz in den Szenarien ist deshalb dringend notwendig. Das oben erwähnte Forschungsprojekt KomMA-P untersucht, wie sich Energieszenarien unter diesen erweiterten Kriterien von den rein techno-ökonomisch optimierten unterscheiden.